KULTUR
Innovative Formen medialer Kulturvermittlung
BEWEGT
Vor einigen Wochen haben wir auf dem Blog auf den DigAMus-Award aufmerksam gemacht, einen Peis, mit dem seit diesem Jahr innovative digitale Kulturprojekte ausgezeichnet werden. Am 22. Oktober fand nun im Rahmen des digitalen Symposiums „Das digitale Objekt“ die Preisverleihung statt. Welche Projekte es auf das Siegertreppchen geschafft haben, erfahren Sie hier:
Ziel des DigaAMus-Awards – der von Kunsthistorikerin Anke von Heyl sowie Andrea Geipel und Johannes Sauter (Mitarbeiter:innen des Deutschen Museums) ins Leben gerufen wurde – ist es, digitalen Projekten innerhalb des Kultursektors eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen, ihnen auf diese Weise Wertschätzung entgegenzubringen und Inspiration für andere Kulturakteur:innen zu liefern. Obwohl eine solche Auszeichnung längst überfällig ist, waren die Initiator:innen von der Resonanz auf ihren Aufruf „überrascht und überrollt“1: Am Ende wurden stolze 129 Projekte eingereicht, 50 davon noch am Tag der Deadline. Aus den Bewerber*innen wurde eine Shortlist mit 24 Projekten erstellt und zur Endauswahl an eine Jury weitergereicht. Diese wählte anhand einer Punktematrix die Gewinner:innen aus sechs Kategorien aus – ein Projekt durfte vom Publikum bestimmt werden. Entscheidend für die Auswahl der Gewinner:innen in den jeweiligen Kategorien waren die Kriterien Immersion, Partizipation, Innovation, Vermittlung, Nachhaltigkeit und Inklusion. In der Kategorie Apps & Games gewann die partizipative App berlinHistory des Stadtmuseums Berlin. Diese setzt sich zum Ziel, die historischen Spuren der Hauptstadt sichtbar zu machen. Hierzu laden Privatpersonen und/oder Kulturinstitutionen historische Dokumente, Fotos, Audios oder Videos auf der offenen digitalen Plattform hoch, die den App-Nutzer:innen frei zur Verfügung gestellt werden. So wird ein Nacherleben des historischen Berlins aus sehr unterschiedlichen Perspektiven möglich. Bereits mehr als 60 Kulturinstitutionen der Stadt haben sich an dem Projekt beteiligt. Die Kategorie Inklusion & Integration konnte das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration Deutschland e.V. (DOMiD) für sich entscheiden. In deren virtuellem Museum können neun thematisch unterschiedliche Gebäude einer Stadt begangen werden. Dabei können Bahnhof, Fabrik oder Einkaufsstraße in drei Zeitebenen durchlaufen und digitalisierte Dokumente der DOMiD-Sammlung, wie Zeitzeug:innen-Berichte, Briefe oder Fotografien aus den Zeitzonen eingesehen werden, um den Wandel der Migration in Deutschland bildlich nachvollziehen zu können. Im Bereich Online-Ausstellungen & 360º gewann die Mobile Website Moodfor.art der Kunsthalle Karlsruhe. Das Motto des Projekts lautet: „Verschwende deine Zeit lustvoll mit Kunst!“ Und tatsächlich lässt sich auf Website sehr gut Zeit „verschwenden“, denn angeboten werden Moodtracker, bei denen zwischen Stimmungen ausgewählt werden kann, welche mit Motiven von Gemälden aus der Sammlung hinterlegt werden. So fragt der Moodtracker Morgenroutine die Besucher:innen der Seite bspw., wie sich morgens eher fühlen: Trinken Sie Kaffee oder Tee? Sind Sie Morgenmuffel oder Powertalker:in? Ein weiteres Tool der Website sind Quizfragen, welche Besucher:innen spielerisch in ihren Bann ziehen. Diese sind ebenso mit Gemälden und Exponaten aus der Kunsthalle verknüpft und machen so Kunst greifbar für den Alltag und Zeitvertreib. Die Kategorie Social Media & Videos durfte beim digital Award natürlich auch nicht fehlen. Gewinner-Projekt ist das Goethe MorgenMagazin des Goethe Museums Düsseldorf. Über die eigene Website und die Instagram-Live-Funktion sendete das Museumsteam im Corona-geschuldeten ersten Lockdown drei Monaten lang ein kurzes Live-Magazin zu den unterschiedlichsten Themen rund um das Museum sowie Kunst und Kultur im Allgemeinen. Dem „Beat der Wissenschaft“ können Interessierte mit dem Gewinner-Projekt der Podcast Kategorie lauschen. Im Beats & Bones Podcast des Berliner Museums für Naturkunde sprechen Expert:innen über die Vielfalt der Natur, die Evolution oder den Ursprung unserer Erde. So lässt sich über unterschiedliche Streaminganbieter oder die Museumswebsite mit zugehörigem Instagram-Account auf die thematisch vielfältigen und spannenden Podcast-Folgen zugreifen. Die letzte der sechs Kategorie war den Initiator:innen besonders wichtig, denn im Zuge des Sonderpreises für Projekte mit wenig Budget hatten auch kleine Häuser die Chance, sich zu bewerben. Gewinner-Projekt ist hier die Dental | Things Online-Ausstellung des Museums der Universität Tübingen. Die Sammlung der Zahnmedizin der Uni sollte neu aufgearbeitet und präsentiert werden. So entstand eine Online-Ausstellung, in der das Museum mit Hilfe von VR-Technik virtuell zugänglich gemacht wird und so Einblick in die digitale Sammlung gewährt werden. Der Publikumspreis, bei dem mehr als 8.000 Menschen abstimmten, wurde schließlich an das Deutsche Panzermuseum für deren YouTube-Kanal verliehen. Auf diesem Kanal werden regelmäßig neue Einblicke in die Sammlung des Museums gewährt, sowie Informationen, Hintergründe und spannende Geschichten zu einzelnen Exponaten erzählt.
Nach dieser vielversprechenden ersten Preisverleihung sind sich die Initiator:innen sicher: Das wird nicht der letzte DigAMus–Award sein! Wir schauen gespannt auf das nächste Mal und freuen uns auf weitere spannende Projekte an der Schnittstelle von Kultur und Digitalität.
1https://digamus-award.de/2020/10/26/ja-bitte-noch-ein-award/
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