Senior:innen in der Kunst- und Kulturvermittlung: Digitale Teilhabe – für alle!

13.07.2022 Katharina Hauck

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Die Entwicklung digitaler Vermittlungsformate in Museen wird häufig mit der Absicht begründet, eine jüngere Zielgruppe, die sogenannten digital natives, erreichen zu wollen. Dass die Form allein kein Garant für ein verjüngtes Publikum ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Wie sehr aber auch ältere Besucher:innen von Angeboten profitieren können, bei denen die Digitalisierung einen echten Mehrwert für die Vermittlung bietet, zeigt nun eine Studie der Gerontologin Elke Kralle-Calenberg.

In ihrer empirischen Arbeit mit dem Titel Digitale Elemente in der Kunst- und Kulturvermittlung für Senioren in Museen. Der „Medientisch" im Museum Ratingen (2021)1 untersuchte die Wissenschaftlerin, wie Senior:innen (definiert als 60 Jahre und älter) einen  Medientisch im stadtgeschichtlichen Museum Ratingen in Nordrhein-Westfalen annehmen und bewerten. In die Ausstellung integriert wurde der Medientisch im Zuge einer Neuausrichtung der Dauerausstellung des Museums im Jahr 2016. Auf dem, in die Tischplatte eingelassenen, Bildschirm ist eine Stadtkarte zu sehen, auf der sich per Touchbedienung vertiefende  Informationen zur Stadt Ratingen in Text-, Audio- oder Videoform aufrufen lassen.

Für ihre Studie stellte Kralle-Calenberg den Senior:innen durch anonymisierte, standardisierte Interviews verschiedene Fragen. Interessant waren für die Gerontologin neben der Medienkompetenz der Teilnhemer:innen die allgemeine Wahrnehmung des Medientisches durch die Befragten , die Beurteilung der Interaktionsmöglichkeiten , sowie die Bewertung des Beitrag des Mediums zur Kulturvermittlung. In ihre Analyse flossen zudem Überlegungen und Annahmen zur Nutzung des  Internets und digitaler Tools der Zielgruppe durch Expert:innen dieses Bereichs ein.

Trotz der eher kleinen Erhebung – es wurden zwanzig Senior:innen befragt – gelangte die Gerontologin zu wichtigen Ergebnissen: Unter anderem hebelte sie das Vorurteil aus, dass die untersuchte Alterskohorte nicht mit digitalen Formaten umgehen könne oder wolle. Denn in der Auswertung der Interviews zeigte sich, dass die Mehrheit der Befragten die erweiterte Vermittlung der Ausstellungsinhalte durch den Medientisch als positive Ergänzung wahrnahm. Zudem wurde von Spaß, Inspiration und der Aktivierung eines größeren Interesses zur selbständigen Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte Ratingens berichtet.

In ihrem Fazit kam Kralle-Calenberg zu dem Schluss, dass bei der Konzeption von digitalen Formaten in der Kulturvermittlung das ältere Publikum stärker berücksichtigt werden müsse – nicht allein im Hinblick auf altersgruppengerechten Formaten, sondern vielmehr durch Angebote, die von Beginn an für alle Ziel- bzw. Altersgruppen konzipiert würden.  

 

1 Die Studie ist am 06.12.2021 im Tectum Verlag in der Sparte Wissenschaftliche Beiträge/ Sozialwissenschaften erschienen. Eine Rezension zur Studie ist hier zu finden.