07.10.2019

Wenn die Apokalypse droht...

Christoph Steinweg © BOK + Gärtner GmbH

28 Museen, drei Kooperationspartner, eine Ausstellung. Die „Apokalypse Münsterland“ vereint partizipatorische Ansätze, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Erprobung digitaler Technologien mit der Öffnung des Museumsraumes. Damit schafft das Projekt unter Federführung des Münsterland e.V. – Kulturbüros ein Experimentierfeld für die Kulturvermittlung der Zukunft.

Der Auftrag ist klar: Kulturgüter retten! In dem fiktiven Szenario, das die Rahmenhandlung für das Projekt bildet, ist die Menschheit einer digitalen Apokalypse zum Opfer gefallen. Die Realität existiert nicht mehr, das Leben hat sich komplett virtualisiert. In dieser Welt fehlt es an vielem, vor allem aber an kultureller Vielfalt. Nach eben dieser Vielfalt sehnen sich die Menschen und so schicken sie ein SOS in die Gegenwart.

Diesen Hilferuf gaben die an dem Projekt beteiligten Museen im Herbst 2018 an ihre Besucher*innen weiter. Ihnen stellte sich nun die schwierige Frage: „Welches Kulturgut willst du bewahren und warum?“.  Durch Fragebögen und Wahlurnen, Online-Votings und Workshops, experimentelle Führungen, Object-Slams und Partys konnten die Besucher*innen in den folgenden Wochen abstimmen. Wie der partizipatorische Prozess dabei gestaltet wurde, blieb jedem Haus selbst überlassen. Dass der Kreativität dabei jedoch Grenzen gesetzt waren, wurde spätesten in der abschließenden Evaluation deutlich. Denn nicht alle Besucher*innen nahmen die Partizipationsangebote gleichermaßen begeistert an. Und wieder einmal zeigte sich: Was für den einen funktioniert, tut es für den anderen noch lange nicht. Daneben machten Zeit und Geld der Entwicklung kreativer Formate häufig einen Strich durch die Rechnung. Doch davon ließen sich die Kulturakteur*innen nur wenig beeindrucken. Letztlich gelang es allen beteiligten Häusern, mit ihren Besucher*innen in den Dialog über das kulturelle Erbe zu treten und ein besonderes Exponat auf die "Reise in die Zukunft" zu schicken.

Diese Reise führte zunächst über die Kooperationspartner, die FH Münster, Fachbereich Architektur (Münster School of Architecture, MSA), BOK + Gärtner GmbH (Agentur für Kommunikationsdesign und Szenografie) und das FabLab des münsterLAND.digital e.V. Mit den versierten, kreativen und engagierten Partnern und unter Zuhilfenahme eines 3D-Druckers wurden die realen Exponate schließlich in virtuelle Objekte verwandelt. Inszenierung und Vermittlung wurden dabei wissenschaftlich von den Studierenden der MSA begleitet.

Das Ergebnis der monatelangen, intensiven Zusammenarbeit lässt sich seit dem 3. August und noch bis zum 19. Oktober an verschiedenen Stationen im Münsterland bestaunen.1 In einem Container ist die digitale, kompilatorische Ausstellung auf Tour und führt Besucher*innen dabei an neue Formen digitaler Kulturrezeption heran. Mit der VR-Brille lassen sich Objekte, die sonst hinter dickem Glas verborgen bleiben, genaustens inspizieren, drehen, vergrößern und auf den Kopf stellen. Zusätzlich erfahren die Besucher*innen über eine Audiospur interessantes über die jeweiligen Exponate.

Das Projekt Apokalypse Münsterland zeigt, was die Kulturvermittlung der Zukunft braucht:

Mut, um Neues zu wagen, zu experimentieren, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Herausforderungen anzunehmen.

Aufgeschlossenheit gegenüber ungewöhnlichen Ansätze, kreativen Herangehensweisen und agilen Methoden.

Und nicht zuletzt Vertrauen in die Synergieeffekte interdisziplinärer Zusammenarbeit, die Chancen partizipatorischer Prozesse und die Möglichkeiten digitaler Technologien.

 


Christoph Steinweg © BOK + Gärtner GmbH

 


1 Alles zu den letzten zwei Stationen der Wanderausstellung in Oelde und Rheine-Bentlage finden Sie hier.

 

Kategorien: Feature · Innovative Kulturvermittlung

Schlagworte: Apokalypse · Kulturgut · Münsterland · Digitalisierung · Digitale Rettung · Kulturbüro · Projekt